Hoffnung ist nichts weiter …

Hoffnung ist nichts weiter
als hielte ein Reiter
auf einem trabenden Gaul
kurz vor dessen Maul
an Stock und Faden eine Möhre.
Falls er diese jedoch verlöre,
bliebe das Tier sofort stehn,
würde keinen Schritt mehr gehn.

Die Möhre ist ein Segen.
Würden wir uns sonst bewegen?

Einerlei: Frage oder Antwort?

Wir alle erleben es bei kleinen Kindern, die – gerade das Sprechen erlernt – die Erwachsenen mit Fragen über Gott und die Welt löchern: Wieso ist der Himmel blau? Was sind Wolken? Was ist die Sonne? Häufig wird dabei eine erste Frage gestellt, deren Beantwortung sofort eine Folgefrage nach sich zieht, nach deren Erläuterung wieder eine Frage folgt und schließlich allmählich in einer stakkatohaften Wiederholung von „Wieso? Wieso? Wieso?“ mündet. Hier hilft eigentlich nur ein Eis, um sich aus diesem Teufelskreis zu befreien; für das Kind natürlich.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen sich ihrerseits Fragen, die sie anschließend untersuchen. Am Ende präsentieren sie die Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Publikationen als Antwort auf eine anfangs gestellte Frage. Innerhalb dieses Wissensprozesses steht offensichtlich die Frage am Anfang und die Antwort am Ende. Aber stimmt diese Reihenfolge so auch wirklich?

Wenn eine Frage unbeantwortet bleibt, wird so lange nach der Antwort gesucht, bis sie gefunden ist. Das kann manchmal eine Ewigkeit und noch viel länger dauern. Doch, auch wenn wir vor allem diesen Vorgang und diese Reihenfolge sehen, ist es nicht eigentlich so, dass sobald die Antwort die vorherige Frage erklärt, sich dadurch eine neue Frage ergibt, die eigentlich die erste Frage noch besser beantworten würde? Man konnte dabei leider die zweite Frage noch nicht vor der Antwort auf die erste Frage erkennen. Gibt es überhaupt eine abschließende Antwort auf eine Frage, die sie umfassend erklärt? Neue Fragen würden nicht gestellt werden, wären nicht existent, hätten wir nicht bereits Antworten vorliegen. Kann also nicht auch eine Antwort am Anfang und die Frage am Ende stehen?

Diese Frage stellt sich mir irgendwie als Henne-Ei-Problem dar. Nämlich, was war zuerst auf der Welt, die Henne oder das Ei? Dieses Bonmot jeder Party kann noch halbwegs einfallsreich aufgelöst werden, indem man „Evolution“ lallt und sich dann wieder einer neuen Bierflasche widmet. Aber wie gehe ich jetzt mit meinem Frage-Antwort-Problem um? Was steht also am Anfang eines Erkenntniszyklus? Die Frage oder die Antwort?

Nun, ich will an dieser Stelle durchaus meine Meinung kundtun und mich – analog zum Henne-Ei-Problem – anschließend einem Glas Wein widmen. Für mich steht zumindest über Allem, am Anfang und am Ende … die Suche!