Knutschpapagei

Kennen Sie den Knutschpapagei schon? Nein? Der Knutschpapagei ist ein Knutschbote, ein Überbringer von Kussbotschaften für Liebende. Er gibt diesem Blog den Domainnamen und erhält darum eine eigene feste Seite.

Dieser Knutschpapagei hat sich letztens selbst verliebt und weiß nicht, wie er seine Angebetete ansprechen soll. Er versteckt sich hinter einem Baum und beobachtet sie, wie sie mit einigen seiner Nebenbuhler zusammensteht. Doch er traut sich einfach nicht, zu ihr rüberzugehen, bis schließlich etwas Überraschendes passiert …:

Es war einmal ein Knutschpapagei,
der hatte einen sehr schönen Schrei.
Kein einziger unter seinesgleichen
beherrschte ein so reines Rufzeichen.

Denn seinem krumm gebogenen Schnabel
entwichen meist gleichsam einer Fabel
Kussgeräusche wie klingende Glocken.
Er konnte ihm viel Liebreiz entlocken.

Auch sein Federkleid war eine Wonne.
Die Farben strahlten hell wie die Sonne.
Sie schienen so bunt, schillernd und prächtig.
Die Herrlichkeit war einfach allmächtig.

Zudem entwichen dem weichen Gefieder
wohlige Düfte so lieblich wie Flieder.
So sprachen nahe stehende Leute:
„Welch ein schöner Frühlingsduft herrscht heute!“

Bei all diesem genannten Überfluss
genoss er zugleich jeden kleinsten Kuss.
Er freute sich sehr über seine Kunst
und ehrte sie selbst als kostbare Gunst.

Man könnte meinen, er wär’ arrogant.
Das trifft jedoch nicht zu, eher galant,
äußerst verspielt, ein Träumer, schusselig,
bisweilen auch mehr, durchaus dusselig.

Er hatte selbstverständlich einen Job
und bekam auch dafür beständig Lob:
für die treuen Dienste als Knutschbote
erhielt er wiederholt die Bestnote.

Ab und zu verlor er sich auf Flügen
und dies nun nicht aus bloßem Vergnügen.
Schuld allein waren die Träumereien,
warum er abhanden kam im Freien.

Zuletzt passierte dies leider häufiger.
Man dachte bereits, er sei nicht fähig mehr.
Freunde vermuteten einen vagen Grund,
warum er rumstreunte wie ein Vagabund.

Nun will ich von diesem Grund erzählen,
denn er wollte sich so gern vermählen.
Was anderen allerdings fällt sehr leicht,
hatte er bis dahin noch nicht erreicht.

Er träumte nur von seiner einzigen
Liebe, die nicht mehr war zu bändigen.
Kein Moment war ohne die Gedanken,
die sich eng umschlungen um sie rankten.

Dort stand sie nun, die Angehimmelte!
Und in diesem war er der wievielte?
Es gab unzählige Konkurrenten
mit scheinbar besseren Argumenten.

Zum Beispiel ein oller Popanz mit teurer Uhr,
der mit ihr permanent im tollen Auto fuhr.
Dann noch ein komischer Freak, ganz ein softer.
Dieser befummelte sie bereits immer öfter.

Oder jener Gangsterrapper mit Cappy,
immer coole Sprüche drauf und happy.
Das olle Friedenszeichen um dessen Hals
ergänzte dabei noch seine plumpe Balz.

Der Knutschpapagei mochte das Geschehen,
wie entsetzlich, schon gar nicht mehr mit ansehen
und ärgerte sich “willst Du nicht zu ihr gehen
und endlich deine Liebe gestehen!“

„Ich müsste anders sein und rüberschlendern.
Bleibe ich stehen, wird sich nie etwas ändern.
Cool wär’s, ich ginge, das Friedenszeichen auf dem Bauch,
zu ihr und sagte: Hier bin ich! Willst Du mich auch?“

Allein er hatte kein Automobil.
Er war weder soft noch besaß er viel.
Was hatte er schon zu bieten
gegen diese üblichen Umgarnungsriten?

Er würde sie so gerne schlicht betören.
Ihr auf immer ehrlich seine Liebe schwören.
Doch leider genierte er sich akut
und verlor dauernd seinen Wagemut.

Kaum geriet er einmal in ihre Nähe,
krächzte er gleich wie eine Nebelkrähe.
Baute er sich noch zusätzlich Druck auf,
überkam ihn gleich ein fieser Schluckauf.

Dieses Elend bei all seinem Können
mochte er dem ärgsten Feind nicht gönnen.
Freilich würde die Sache gänzlich anders liegen,
würde sich dieser Feind an seine Liebste schmiegen!

Dieser verliebte Knutschpapagei war
ratlos, hilflos und sterbenskrank sogar.
Es gab keinen Weg zu ihr ohne Schmerz,
um zu eröffnen sein feuriges Herz.

So träumte er weiter aus der Ferne
und seufzte nur in sich: „Ach, wie gerne
wäre ich jetzt hier mit ihr zusammen
und heiß verliebt in lodernden Flammen!“

Jetzt stand er neben einem alten Baum,
einer Linde, spähte nach ihr und kaum,
dass sie einmal schaute zu diesem Ort,
verbarg er sich hinter dem Stamm sofort.

Er wartete einen kleinen Moment,
linste herum, merkte dann vehement,
dass sie von ihrem Platz verschwunden war.
Sie war nicht mehr da, völlig unsichtbar.

Er wunderte sich darum ungemein.
Sie konnte schlecht vom Boden verschluckt sein.
Verwirrt stand er nun neben seiner Linde,
und knabberte verstört an deren Rinde.

Sie war hingegen gar nicht verschwunden,
wollte ihn nur endlich selbst erkunden.
Drum war sie just seinen Blicken entwichen
und geschickt um den Baum herum geschlichen.

Jetzt stand sie hinter ihm, ihn zu necken,
und ihm einzujagen einen Schrecken.
Er drehte sich um und erschrak sich sehr.
Dann, als er sie erkannte, noch mal mehr.

Das zweite Erschrecken ließ wenigstens sogleich
den Schluckauf verrecken, doch verlor er fahl und bleich
die seinen Körper bedeckenden, bunten Farben.
Selbst sein bestechender Leibesduft musste darben.

Sie standen vis à vis Schnabel an Schnabel.
Er war ertappt und fühlte sich blamabel.
Sie fragte ihn keck: „Suchst du vielleicht mich?
Oder zu welchem Zweck versteckst du dich?“

Der Knutschpapagei krächzte: „Ja, äh, nein!“
Ihm fiel so eilig nichts Besseres ein.
Feuerrot bis purpurn glühte sein Gesicht.
Im Boden versinken, warum ging das nicht?

Nun ganz nah, sah er tief in ihre Äugelein.
Diese funkelten so ehrlich und lupenrein.
Er glitt wie in einen Strudel in sie hinein,
wo jeweils glänzte ein diamantener Stein.

Alle Angst fiel von ihm schlagartig ab.
Er stieg siegreich aus seinem Seelengrab.
Den Kopf jetzt klar, war er wie neugeboren.
Die fatale Scheu ging gänzlich verloren.

Er erklärte schließlich sein wirres Benehmen,
das sie ihm bitte nicht solle übel nehmen.
Wegen ihr, müsse er leider gestehen,
habe er gigantische Liebeswehen.

„Schau mal, ich überbringe täglich Liebesgrüße,
doch vermisste ich selbst kläglich solch Herzenssüße.
An jedem entlegenen Fleckchen suchte ich schon.
Allein, es schaffte keine auf meinen Liebesthron.“

Seine Krächzstimme klang langsam besser,
die Worte wurden zunehmend kesser.
Getragen von zuversichtlicher Emotion
war er froh über die Gesamtsituation.

„Dort drüben hab’ ich dich dann gesehen.
Es war hier sogleich um mich geschehen.
Ein altbekannter Satz und doch so richtig,
schließlich ist dann nichts anderes mehr wichtig.“

Die feurige Röte des braven Gesichts
verflüchtigte sich, so nah bei ihr, wie nichts.
Die Federn schienen nicht mehr matt noch bieder.
Auch sein Gefieder roch wieder wie Flieder.

Sie roch ihn und lauschte seiner Stimme verzückt,
dermaßen von seiner Offenbarung beglückt.
Denn sie vernahm zum Inhalt der süßen Worte
zusätzlich den Glockenklang der Liebespforte.

Vor allen Dingen die Reinheit des wahren
Gefühls drang durch die Rede wie Fanfaren.
Und diese stießen direkt in ihr Herz ganz tief.
Bewegt und auch ein wenig aufgebracht sie rief:

„Warum hältst du dich dann verborgen hier
und kommst nicht endlich herüber zu mir?“
Er schaute sie nur an mit betrübtem Gesicht:
„Aus einem einfachen Grund: ich traute mich nicht!“

„Ich möchte“, fuhr er fort, „jeden Stern am Firmament
nach dir benennen, damit jeder meine Liebste kennt.
Gleichzeitig bist du mein Stern aller Sterne.
Mir reicht einzig dein Licht als Laterne.“

„Wenn du mich begleitest auf meinen Wegen,
vermag ich für dich Berge und Täler bewegen.
Schaust du mir auch nur in die Augen bloß,
fühle ich mich gleich nicht mehr heimatlos.“

Und nun kam die entscheidende Szene:
aus ihrem Auge floss eine Träne,
die der Knutschpapagei sogleich zärtlich
mit seinem Schnabel auffing, kaum merklich.

Ihre Schnäbel näherten sich ganz langsam.
Der nun folgende Kuss schmeckte wie Balsam,
salbte sogleich ihre Seelen sehr heilsam.
Schlagartig fühlten sie sich nicht mehr einsam.

Sie standen voreinander wie betäubt,
solchermaßen ihrer Sinne beraubt.
Nichts konnte sie jemals mehr entzweien
oder diese Innigkeit entweihen.

Von diesem Geschehen wollte ich euch berichten.
Natürlich erlebten sie weitere Geschichten,
doch belassen wir es besser beim Anfang
des glücklichen Paars im tollen Sturm und Drang.

Verabschieden wir uns und drehen uns rücksichtsvoll um,
überlassen den Liebenden ihren privaten Raum.
Nur eins noch: Von da an trugen sie immer zu zweit
liebliche Knutschbotschaften aus mal nah und mal weit.

Sie sendeten Kussgrüße auf kunstvollste Art,
weil sie selbst die Liebe fühlten herzlich und zart.
Und kamen dabei stets an, was das angeht.
Grüßt sie von mir herzlich, wenn ihr sie mal seht.

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