SUV-Fahrer

Häufig begegnen mir solch Fragen,
wozu bräucht‘ ich ’nen Geländewagen
in einer Stadt wie Berlin,
die sei so überhaupt nicht alpin?

Aber es geht hier nicht um Berg und Tal.
Im Stadtdschungel zählt nur Stärke und Größe,
sind die Straßen auch noch so schmal.
Mein SUV gibt mir keine Blöße!

Sollen doch die Stänkerer sagen,
was sie wollen:
In der  Stadt fahr ich einen großen Wagen,
damit mir alle Achtung zollen!

Mit diesem fahr‘ ich dann auch nur
auf der für Busse freien Spur.
So bin ich zwar ’ne Rampensau,
umgehe aber jeden Stau.

Was kümmert mich auch ’ne 30’er Zone,
wenn ich selbst dort schlicht nicht wohne?
Vor allem bei gelb-roter Ampelphase
ich gerne über eine Kreuzung rase.

Fahrradfahrer, Alte oder Kinder
sieht man von hier oben minder.
Das sollten diese besser verstehen,
man kann sie durchaus mal übersehen!

Auch Parkplatznot in der Stadt
betrifft keinen, der einen Luxuswagen hat.
Ich fühl‘ mich erst so richtig stark,
wenn ich auf dem Gehweg park‘.

Oder ich stehe mit meinem Schlitten
in der zweiten Reihe … und auch dritten.
Hauptsache der Schritte sind nicht zu viel
zu meinem jeweils anvisierten Ziel.

Und wenn Knöllchen an der Scheibe kleben,
sind die für mich nicht teuer.
Die bezahle ich eben
von meiner hinterzogenen Steuer.

Weder Regeln noch Gesetze
kümmern mich, wenn ich zu Terminen hetze.
Und passiert dann doch ein Schaden halt,
klärt dies mein Freund der Staatsanwalt.

Ärgerlich ist zunehmend bloß,
die Welt entwickelt sich schlecht,
immer mehr missachten rücksichtslos
mein immanentes Vorfahrtsrecht!

Heute stehen, ohne mir zu weichen,
aufgereiht wie auf einer Perlenschnur,
zu viele im Stau von Meinesgleichen
auf meiner innig geliebten Busspur!